Ein Schwerpunkt der Gemäldesammlung im Neuen Stadtmuseum sind, so Museumsleiter Herr Neunzert, die Schollemaler.
Das Museum verfügt über einen Raum, indem Maler ausschließlich dieser Künstlergruppe vertreten sind. Die Scholle wurde 1899 als Ausstellungsgemeinschaft in München gegründet. Sie war eine Reaktion, ähnlich der „Secession“ und der „Neuen Secession“, auf den traditionellen Kunstbetrieb, in dem es für einzelne Künstler schwierig war, sich in den genossenschaftlichen Kunstausstellungen durchzusetzen. Von 1900 bis 1911 nahm die Gruppe an zahlreichen Ausstellungen teil: jährlich im Münchner Glaspalast, sowie mehrmals bei der Wiener und Berliner Secession. Ihre künstlerischen Vorstellungen legten die Schollemitglieder programmatisch in der Zeitschrift „Jugend 42“ von 1903 fest. „Die Scholle hat kein anderes gemeinsames Ziel, keine andere Marschroute und Parole, als die Forderung an ihre Mitglieder, dass jeder seine eigene Scholle bebaue, die freilich auf keiner Landkarte zu finden ist.“
Trotzdem lassen sich stilistische Übereinstimmungen feststellen: Die Farben wurden meist in breitfleckigem Duktus aufgetragen und das Licht ornamental in die Farbtextur eingebunden. Die vorwiegend großen Formate sind auf Fernsicht angelegt. Zu dieser Künstlergruppe gehörten neben Leo Putz, die Maler Gustav Bechler, Reinhold Max Eichler, Fritz Erler, Erich Erler- Samaden, Max Feldbauer, Walter Georgi, Adolf Höfer, Adolf Münzer, Walter Püttner, Franz Wilhelm Voigt und Robert Weise. Das Neue Stadtmuseum stellt Bilder von Fritz Erler, Erich Erler- Samaden, Walter Georgi, Adolf Münzer und Leo Putz aus.
Leo Putz kam als zweites Kind des Meraner Bürgermeisters Franz Seraphin Karl Putz am 18. Juni 1869 in Meran zur Welt. Nach seinem Schulabschluss siedelte Putz mit 16 Jahren gegen den Willen des Vaters nach München, um bei seinem Stiefbruder Prof. Robert Poetzelberger ersten Zeichenunterricht zunehmen. Es folgte eine künstlerische Ausbildung zunächst an der Münchner Akademie bei Professor Gabriel von Hackel, von 1891 bis 1892 Studien an der Pariser Akademie Julian. Nach der Rückkehr aus Paris besuchte Putz die Atelierklassedes Genremalers Paul Höcker, aus der später die Künstlergruppe „Scholle“ entstand. Dem vorherrschenden Akademiestil und Historismus der damaligen Zeit wurde eine neue temperamentvolle Malweise entgegengesetzt. Der Mensch, vornehmlich die Frau, wurde zum zentralen Thema des künstlerischen Schaffens. Im Alter von 40 Jahren erhielt Leo Putz den Professorentitel. 1923 verlegte er seinen Wohnsitz in ein Landhaus nach Gauting. Zwei Jahre später wurde er Ehrenmitglied der Bayrischen Akademie der Künste. 1929 reiste Putz nach Sao Paulo und verblieb fast fünf Jahre in Brasilien. Seine dortige Arbeit wurde mit einer außerordentlichen Professur an derEscola Nacional de Bellas Artes in Rio de Janeiro gewürdigt. 1933 kehrte Putz mit seiner Familie nach Gauting zurück. Von den Nationalsozialisten verfemt, übersiedelte er 1936 nach Meran, nachdem er ein Ausstellungsverbot erhalten hatte; seine Kunst galt als entartet. Am 21. Juli 1940 starb Leo Putz im Meraner Exil.Mit dem „Sommerreigen“, eine Leihgabe aus Privatbesitz, den Putz 1921 malte, kann das Neue Stadtmuseum ein Werk aus einer Schaffensperiode präsentieren, in der sich der Malstil zu einer unruhigen Pinselführung mit expressionistischen Tendenzen entwickelte. Im „Sommerreigen“ tanzen drei unbekleidete Frauen und zwei Männer am Ufer eines Sees.Eine vierte, mit einem wehenden Schleier umhüllte und ebenfalls tanzende Frau, spielt Geige. Der Künstler ordnete die Gruppe so an, dass sie den Blick auf den See rahmt. So kann Putz den Zauber und das Licht der Plein-air-Malerei sowohl in der Tiefe der Landschaft als auch auf den wirbelnden Körpern zur Wirkung bringen. Die intensiven Farben sind mit einem breiten Pinsel aufgetragen. Lichteffekte, Bewegungsrythmus und Farbkomposition deuten auf Einflüsse des Impressionismus, des Jugendstils und des Expressionismus hin. Das Bild ist mit einer natürlichen Erotik aufgeladen.
Das Neue Stadtmuseum stellt mit dem „Bildnis Cara Köhler“, ebenfalls eine Leihgabe, ein weiteres Werk von Leo Putz aus. 1999 widmete das Neue Stadtmuseum dem Künstler eine überregional beachtete Sonderausstellung und brachte in der Schriftenreihe „Kunstgeschichtliches aus Landsberg am Lech“ einen Katalog heraus.
Autor: Dr. Hans-Jürgen Tzschaschel