Suche   
Kunst + Kultur | Museen in Landsberg | | #

Lechwehr von Walter Schmelcher


Von sehr vielen Künstlern wurden die sich stets ändernden Lichtverhältnisse des Landsberger Lechwehrs eingefangen. Walter Schmelcher wählte, am Westufer des Flusses stehend, eine Morgenstimmung. Der Lech wird durch das Gegenlicht in ein gleißendes und glitzerndes Farbenspiel getaucht. Das Sonnenlicht bricht sich tausendfach in der Gischt des über das Wehr tobenden Wassers, wird von diesem aufgenommen und in der Strömung, flussabwärts abnehmend, weitergetragen. Die Stadtsilhouette durchdringt den Dunst, die ersten Häuser auf der gegenüberliegenden Seite sind noch deutlich zu erkennen, die Malteserkirche und das begrünte Hochufer verlieren jedoch ihre Konturen in diffusen Farben. Nicht das Stadtbild dominiert das Gemälde, sondern es ist das Licht, das in blendenden Farben den Betrachter anzieht. Walter Schmelcher hat im Stil der Freilichtmaler und Impressionisten meisterhaft das Fließen und Brodeln des im hellen Sonnenlicht das Wehr hinabtosende Wasser wiedergegeben. Das flimmernde Farbenspiel, das Fehlen der scharfen Zeichnung einer linearen Begrenzung und das Wiedergeben einer besonderen Stimmung der Naturerinnern an das Bild „Impression, soleil levant“ (1872) von Claude Monet (1840-1926), von dem die Stilrichtung ihren Namen abgeleitet hatte.


Walter Schmelcher wurde am 7.5.1902 in Landsberg geboren, besuchte dort die Volkschule und studierte danach an der Staatsschule für angewandte Kunst in München. Mit weiteren vier jungen Landsberger Künstlern stellte er 1933 äußerst erfolgreich im Rathaus aus. Hans May-Korbach, Max und Franz Höfle, Johann Mutter und Walter Schmelcher bildeten die Keimzelle der „Künstlergilde Landsberg am Lech und Ammersee“, die sich 1934 im Gasthof „Zur Glocke“ konstituiert hatte. Nach seiner Ausbildung verließ Walter Schmelcher Landsberg und wurde Bühnenbildner in Guben an der polnischen Grenze, später wechselte er an das Staatstheater in Kassel. Bereits 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Nach dem Krieg kehrte er nach Landsberg zurück, porträtierte zunächst amerikanische Soldaten und wurde von diesen in der „Zigarettenwährung“ bezahlt. Er wurde Bühnenbildner für die Landsberger Bühne und besorgte 1955 die Neuausmalung des Zuschauerraumes des Landsberger Stadttheaters. Später arbeitete er für Film und Fernsehen und im Malsaal der Münchner Kammerspiele. Er starb am 12. Juli 1986 in Landsberg.
Der Freundeskreis der städtischen Museen stellt in einer Artikelfolge im Landsberger Tagblatt das Neue Stadtmuseum und dessen Exponate vor. Den Landsbergern sowie den Interessierten aus der Region sollen damit das Museum und dessen stets wachsenden Sammlungen vorgestellt werden. An dieser Stelle wird schon jetzt auf die Ausstellung „Eine Kunstgeschichte. Künstlerverbände zwischen Ammersee und Lech“ hingewiesen, die am 28. Juni eröffnet wird.
Dr. Hans-Jürgen Tzschaschel


» zurück

 

   
VOILA_REP_ID=C1257154:0025DF39